hallerstein

Die Bremer Stadtmusikanten

In Märchen on 19. Dezember 2010 at 04:15
Ein Märchen der Gebrüder Grimm

Die Bremer Stadtmusikanten

Es war einmal ein Mann, der hatte einen Esel, welcher schon lange Jahre unverdrossen die Säcke in die Mühle getragen hatte. Nun aber gingen die Kräfte des Esels zu Ende, so daß er zur Arbeit nicht mehr taugte. Da dachte der Herr daran, ihn wegzugehen. Aber der Esel merkte, daß sein Herr etwas Böses im Sinn hatte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen. Dort, so meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden.

Als er schon eine Weile gegangen war, fand er einen Jagdhund am Wege liegen, der jämmerlich heulte. „Warum heulst du denn so, Packan?“ fragte der Esel.

„Ach“, sagte der Hund, „weil ich alt bin, jeden Tag schwächer werde und auch nicht mehr auf die Jagd kann, wollte mich mein Herr totschießen. Da hab ich Reißaus genommen. Aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?“

„Weißt du, was“, sprach der Esel, „ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant. Komm mit mir und laß dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauken.“ Der Hund war einverstanden, und sie gingen mitsammen weiter.

Es dauerte nicht lange, da sahen sie eine Katze am Wege sitzen, die machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. „Was ist denn dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?“ fragte der Esel.

„Wer kann da lustig sein, wenn’s einem an den Kragen geht“, antwortete die Katze. „Weil ich nun alt bin, meine Zähne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als nach Mäusen herumjage, hat mich meine Frau ersäufen wollen. Ich konnte mich zwar noch davonschleichen, aber nun ist guter Rat teuer. Wo soll ich jetzt hin?“

„Geh mit uns nach Bremen! Du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du Stadtmusikant werden.“ Die Katze hielt das für gut und ging mit.

Als die drei so miteinander gingen, kamen sie an einem Hof vorbei. Da saß der Haushahn auf dem Tor und schrie aus Leibeskräften. „Du schreist einem durch Mark und Bein“, sprach der Esel, „was hast du vor?“

„Die Hausfrau hat der Köchin befohlen, mir heute abend den Kopf abzusschlagen. Morgen, am Sonntag, haben sie Gäste, da wollen sie mich in der Suppe essen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich noch kann.“

„Ei was“ sagte der Esel, „zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall. Du hast eine gute Stimme, und wenn wir mitsammen musizieren, wird es gar herrlich klingen.“ Dem Hahn gefiel der Vorschlag, und sie gingen alle vier mitsammen fort.

Sie konnten aber die Stadt Bremen an einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze kletterte auf einen Ast, und der Hahn flog bis in den Wipfel, wo es am sichersten für ihn war.

Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Windrichtungen um. Da bemerkte er einen Lichtschein. Er sagte seinen Gefährten, daß in der Nähe ein Haus sein müsse, denn er sehe ein Licht. Der Esel antwortete: „So wollen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht.“ Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch daran täten ihm auch gut.

Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war. Bald sahen sie es heller schimmern, und es wurde immer größer, bis sie vor ein hellerleuchtetes Räuberhaus kamen. Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein.

„Was siehst du, Grauschimmel?“ fragte der Hahn.

„Was ich sehe?“ antwortete der Esel. „Einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen rundherum und lassen sich’s gutgehen!“

„Das wäre etwas für uns“, sprach der Hahn.

Da überlegten die Tiere, wie sie es anfangen könnten, die Räuber hinauszujagen. Endlich fanden sie ein Mittel. Der Esel stellte sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster, der Hund sprang auf des Esels Rücken, die Katze kletterte auf den Hund, und zuletzt flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Als das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte. Darauf stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, daß die Scheiben klirrten.

Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe. Sie meinten, ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus.

Nun setzten sie die vier Gesellen an den Tisch, und jeder aß nach Herzenslust von den Speisen, die ihm am besten schmeckten.

Als sie fertig waren, löschten sie das Licht aus, und jeder suchte sich eine Schlafstätte nach seinem Geschmack. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Tür, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, und der Hahn flog auf das Dach hinauf. Und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie bald ein.

Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, daß kein Licht mehr im Haus brannte und alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: „Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen.“ Er schickte einen Räuber zurück, um nachzusehen, ob noch jemand im Hause wäre.

Der Räuber fand alles still. Er ging in die Küche und wollte ein Licht anzünden. Da sah er die feurigen Augen der Katze und meinte, es wären glühende Kohlen. Er hielt ein Schwefelhölzchen daran, daß es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht und kratzte ihn aus Leibeskräften. Da erschrak er gewaltig und wollte zur Hintertür hinauslaufen. Aber der Hund, der da lag, sprang auf und biß ihn ins Bein. Als der Räuber über den Hof am Misthaufen vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß. Der Hahn aber, der von dem Lärm aus dem Schlaf geweckt worden war, rief vom Dache herunter: „Kikeriki!“

Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach: „Ach, in dem Haus sitzt eine greuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mir mit ihren langen Fingern das Gesicht zerkratzt. An der Tür steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen. Auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einem Holzprügel auf mich losgeschlagen. Und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: ‚Bringt mir den Schelm her!‘ Da machte ich, daß ich fortkam.“

Von nun an getrauten sich die Räuber nicht mehr in das Haus. Den vier Bremer Stadtmusikanten aber gefiel’s darin so gut, daß sie nicht wieder hinaus wollten.

***

Die Bremer Stadtmusikanten als Litera-Hörspiel
In der Regie von Theodor Popp und der Musik von Ernst-Peter Hoyer.

Ein fröhlicher Esel, ein treuer Hund, ein weinerlicher Kater, ein hysterischer Hahn, ein mürrisch ruppiger Müller, ein mitleidiger Müllerbursche, eine handfeste Köchin, drei wilde (später ängstliche) Räuber; ein sonorer Erzähler

1. Szene
Eine Windmühle auf dem Berg. Am Rande ein Wald.
Ein mürrisch ruppiger Müller und ein mitleidiger Müllerbursche (vor der Mühle), ein alter Esel (in der Mühle).
Müller: Heh, Müllerbursche, komm einmal her! Sieh dir den Esel dort einmal an. Nicht einen halbvollen Sack kann er mehr schleppen!
Müllerbursche: Ja Müller, er ist eben alt und nicht mehr recht beisammen. Er hat ja auch lange Eure Säcke zur Mühle getragen. Jetzt geht’s nun nicht mehr so recht mit ihm.
Müller: Ach, ich will ihn aus dem Futter schaffen. Führe ihn hinter die Mühle und schlage zu!
Müllerbursche: Aber bedenkt Müller, er hat Euch Jahre treu gedient. Ich bitte Euch, gebt ihm das Gnadenbrot.
Müller: Nichts da, ich brauche keine unnützen Fresser! Tue was ich die geheißen!
Erzähler: Als der Grauschimmel hörte woher der Wind wehte, lief er so schnell ihn seine Beine tragen wollten, aus der Mühle hinaus und in den Wald hinein. Dort legte er sich traurig aufs Moos und nickte ein wenig ein. Als er wieder aufwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel. „Nein“, dachte der Esel, „zum Müller gehe ich nicht mehr zurück. Doch wo finde ich Unterkunft und Futter?“ Und während er sich das überlegte, hörte er über sich in den Zweigen einen kleinen Vogel singen. Und sein Gesang klang über alle Maßen schön. „Halt!“ sagte der Esel zu sich, „ich hab’s. Ich ziehe nach Bremen und werde Stadtmusikant.“ Gesagt getan. Und damit machte er sich auf den Weg nach der großen Stadt Bremen. Und das ihm die Zeit nicht lang werde: sang er sich ein Lied…

2. Szene

Eine Landstraße. Ein fröhlich wandernder Esel.
Esel (singt): Ich ziehe in die große Stadt, tsching tsching trara bum bum, ihah! Die Platz genug für alle hat, tsching tsching trara bum bum, ihah! Ein Stadtmusikante will iich werden, tsching trara, bumm, bumm trara. Dann gibt’s nicht Not mehr und Beschwerden und ich bin froh so froh, und ich bin so froh! Ihah!
Erzähler: Als der Esel ein Weilchen so gegangen war, sah er am Wegrand ein dunkles Bündel liegen. Und als er näher kam, war es ein Hund der mühsam nach Luft japste.
Esel: Hallo Packan, was ficht dich an.
Hund: (stöhnt und jappst)
Esel: Warum jappst du so? (lacht) Du warst wohl einem fetten Braten auf der Spur.
Hund: (traurig) Du hast gut reden Grauschimmel. Weil ich alt bin, schlecht sehe und auf der Jagd nicht mehr recht fortkomme – da wollte mich mein Herr totschießen. Da habe ich Reißaus genommen. Schlimmer als bei meinem Herrn kann’s mir auf der Landstraße auch nicht gehen. Wenn mir auch schon vor Hunger die Gedärme zusammenschnurren.
Esel: (mitfühlend) Hör zu. Mir ging’s ähnlich. (zuversichtlich) Nun will ich nach Bremen und Stadtmusikant werden. Weist du was? Komm mit zur Musik! Ich spiele Laute und du wirst die Pauke schlagen!
Hund: Wu wu wu.
Erzähler: Der Hund war’s zufrieden. Und sie wanderten zu zweit weiter. Damit ihnen aber die Zeit nicht lang werde, sangen sie sich eins…
Esel und Hund: (singen) Wir ziehen in die große Stadt, tsching tsching trara bum bum, wu wu! Die Platz geht um für alle an, tsching tsching trara bum bum, wu wu! Zwei Stadtmusikante wollen wir werden, tsching trara, wu, bumm trara. Dann gibt’s nicht Not mehr und Beschwerden und wir sind froh so froh, und wir sind so froh! Wu wu, ihah!
Erzähler: Nach einer kleinen Weile, saß da eine Katze auf einem Stein und machte ein Gesicht, wie drei Tage Regenwetter.
Esel: (theatralisch) Ihah! (mitfühlend) Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen? Alter Bartputzer!
Kater: (weinerlich, quäkend) Miaaaauuuh. (klagend) Wie soll ich da noch lustig sein, wenn man mir ans Leben will. Meine Zähne sind stumpf und meine Augen werden schwach. Und ich sitze lieber hinter dem Ofen, als auf Mäusejagd zu gehen. Und deshalb wollte mich die Frau ersäufen! Ich konnte gerade noch aus dem Fenster springen. (jämmerlich klagend) Und nun sitze ich hier und weiß nicht weiter. (weinerlich, quäkend) Miaaaauuuh.
Esel: (froh zuversichtlich ins Wort fallend) Aber ich weiß etwas. Du kommst mit uns nach Bremen und wirst Stadtmusikant! Wo du doch so herzerfreulich singen kannst.
Kater: (erfreut) Miaahahaaauuh!
Esel: Oh, das wird eine gute Musik werden.
Hund/Esel/Kater (durcheinander): Wu wu wu Ihah Miaauuh…
Erzähler: Die Katze war’s zufrieden und sie wanderten zu dritt weiter. Damit Ihnen aber die Zeit nicht zu lang werde, sangen sie sich eins…
Esel, Hund, Kater: (singen) Wir ziehen in die große Stadt, tsching tsching trara bum bum, (gleichzeitig) wu wu Ihah! Die Platz genug für alle hat, tsching tsching trara bum bum, wu wu Ihah! Drei Stadtmusikanten wollen wir werden, tsching trara, wu, bumm trara. Dann gibt’s nicht Not mehr und Beschwerden und wir sind froh so froh, und wir sind so froh! Miauuh Wu wu, ihah!
Erzähler: Nach einer kleinen Weile hörten Sie aus der Ferne ein ohrenbetäubendes Geschrei und eilten so schnell sie nur konnten (aufgeregtes Hühnergackern beginnt) dort hin.
Köchin: (aufgeregtes Hühnergackern…) Greif ihn! Schnell, dort sitzt er, greif ihn! (angstvolles Gegacker…) (enttäuscht) Weg ist er und ich halte nur seine Schwanzfedern in der Hand! Ich glaube das Tier weiß, was ihm zugedacht ist. (schimpfend) Er kann schreien und spektakeln so viel und so laut er will. Morgen kommen Gäste und da wollen wir ihn in der Suppe sehn! Also vorwärts fang ihn, ich treib ihn dir zu. Gschgschgsch. (aufgeregtes Gackern) Auauauauau, lass los du heimtückisches Biest! Du sollst mich nicht hacken! – Da! Jetzt ist er über den Zaun geflogen!
Hahn: (erlöst) Kikerikihiiiii!
Erzähler: Der Hahn flog noch ein Stück weiter, bis er seinen Häschern aus den Augen war und kam dann gerade auf die drei Ausreißer zugelaufen.
Esel: Das nenn ich Glück, Rotkopf! Bist der Köchin fast aus dem Suppentopf gesprungen!
Kater: (schmeichlerisch) Miiaaauuh! Auf einen wie dich haben wir gerade gewartet!
Hahn: Kikerikiiih!
Hund: Komm mit uns!
Esel: (fröhlich euphorisch) Ja, komm mit uns als Stadtmusikant. Du kannst die erste Stimme singen. Und die Katze wird dich begleiten. Die Bremer werden Augen und Ohren aufsperren über unsere Musik!
Hahn, Hund, Kater: Kikerikiii, Wu wu, Miauuh
Erzähler: Der Hahn war’s zufrieden und zog als Vierter im Bunde mit. Damit ihnen aber die Zeit nicht lang werde, sangen sie sich eins…
Esel, Hund, Kater, Hahn: (singen) Wir ziehen in die große Stadt, tsching tsching trara bum bum, (gleichzeitig) wu wu Ihah! Die Platz genug für alle hat, tsching tsching trara bum bum, wu wu Ihah! Vier Stadtmusikanten wollen wir werden, tsching trara, wu, bumm trara. Dann gibt’s nicht Not mehr und Beschwerden und wir sind froh so froh, und wir sind so froh! Kikerikiihi, Miauuh Wu wu, ihah!

3. Szene
Ein dunkler dichter Wald. Ein sehr hoher Baum. In der Ferne ein erleuchtetes Haus.
Vier müde Wanderer: Esel, Hund, Kater, Hahn am hohen Baum.
Erzähler: Weil der Weg nach Bremen aber so weit war, mussten sie abends im Wald übernachten. Und jeder ging daran, sich ein gutes Quartier zu suchen. Der Esel und der Hund streckten sich auf einem Laubhaufen unter einem großen Baum aus. Aber die Ameisen plagten sie sehr. Die Katze kletterte auf den untersten Ast.
Und der Hahn flog auf die höchste Spitze des Baumes, weil er sich dort am sichersten fühlte. Als er sich da oben umsah, entdeckte er in der Ferne ein Licht. (das erleuchtete Haus)
Hahn: Kikerikiihi! (schreit aufgeregt und schnell) Freunde, ich seh am Waldrand ein Liicht! Also muss gar nicht weit ein Haus stehn!
Esel: Dann müssen wir hin. Denn hier liegt’s sich wahrlich nicht gut.
Hund: Und vielleicht finden wir dort einen Knochen mit etwas Fleisch dran.
Kater: (weinerlich, frohlockend) Oder ein Schälchen Milch, mit Semmel! Miaauuh!
Erzähler: Die Tiere brachen also auf und erreichten bald das Haus.

4. Szene
Ein Räuberhaus mit großem erleuchtetem Fenster.
Die vier Tiere vor dem erleuchteten Fenster.
Erzähler: Und weil der Esel der Größte war, konnte er zum Fenster hineinschauen.
Hund: (neugierig) Was siehst du Grauschimmel?
Esel: (läuft das Wasser im Munde zusammen) Einen Tisch mit Gebratenem und Gesottenem!
Kater: (aufgeregt gierig): Miaauhu! Hund: Wuwu wu…
Esel: …und daran sitzen drei wilde Räuber und lassen sich’s wohl sein.
Kater: Mmmh, das sollte besser uns zu kommen! Lass mich auf deinen Rücken springen Grauschimmel, damit sich meine Augen auch dran laben können!! Hört ihr, wie mein Magen knurrt? Das Wasser läuft mir im Maule zusammen. Miiaaauuuh!
Erzähler: Die Katze sprang von Grauschimmels Rücken herunter und die Tiere berieten sich, wie sie zu den Herrlichkeiten auf dem Tisch kommen könnten. Und endlich fanden sie’s. Der Esel stellte sich mit den Vorderbeinen auf das Fenster. Der Hund sprang auf seinen Rücken, die Katze kletterte auf den Hund und zuletzt flog der Hahn auf den Kopf der Katze und hielt sich dort fest. Als sie das vollbracht hatten, stimmte der Esel an und die anderen fielen ein und sie brachten den Räubern ein Ständchen. Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte! Und jeder sang aus Leibeskräften seine Melodie für sich. Dann stürzten sie durchs Fenster ins Zimmer hinein, dass die Scheiben nur so splitterten. Die Räuber sprangen bei dem entsetzlichen Lärm von ihren Stühlen auf und suchten eilig das Weite. Denn sie meinten nichts anderes, als ein grausiges Gespenst wollte sie überfallen.
Esel: So Brüder, jetzt halte sich ran, wer da kann!
(Tellerklappern, Schmatzen, Gackern)
Erzähler: Und als sich die vier Musikanten dick und voll gefressen hatten, löschten sie das Licht. Und jeder suchte sich eine passende Ruhestatt. Der Esel legte sich auf den Misthaufen hinter dem Haus. Der Hund auf ein Kissen neben der Tür, die Katze an den Herd nahe der warmen Asche und der Hahn setzte sich auf einen Dachbalken. Nach Mitternacht kamen die Räuber vorsichtig zurück. Denn sie hatten Mut gefasst, weil kein Licht mehr in dem Hause brannte.
Räuberhauptmann: (mit gedämpfter Stimme) Was sind wir für Memmen. Reißen so mir nichts dir nichts aus! Fridolin, geh ins Haus und erkunde, ob alles ruhig ist!
(Räuber Fridolin schlurft ins Haus; Türquitschen)
Erzähler: Der Abgesandte fand auch alles unverdächtig und ging in die Küche, um eine Kerze anzuzünden. … Und weil er die leuchtenden Augen der Katze für klimmende Kohlen ansah, hielt er einen Holzspan daran, um Feuer zu bekommen. Aber die Katze lies sich so etwas nicht bieten, fuhr wütend auf, fauchte den Räuber an und zerkratzte ihm das Gesicht, das es eine Art hatte! Zu Tode erschrocken, wollte er zur Tür laufen – aber der Hund bekam ihn zu fassen und biss ihn ins Bein. Und als er über den Hof rannte, versetzte Ihm der Esel noch einen kräftigen Schlag mit dem Hinterfuß. Als das der Hahn gewahrte, krähte er lauthals…
Hahn: Iikereikiih! Iikereikiih!
Erzähler: Ganz zerschlagen kam der Räuber bei seinen Spießgesellen an.
Räuber Fridolin: (aufgeregt, heißer) Kommt schnell! (ängstlich gedämpft) Bloß schnell fort von hier. In dem Hause geht es gräulich zu. (hysterisch erregt) In der Küche sitzt eine Hexe, die hat mich angespuckt! Und mit Ihren langen Nägeln das Gesicht zerkratzt! (hörbares Schaudern der restlichen Räuber) An der Tür steht ein Mann mit einem Messer und hat mich ins Bein gestochen!
(hörbares Erschaudern der restlichen Räuber) Auf dem Hof liegt ein großes Ungetüm, das schlug mit einer Axt auf mich ein!
(Stöhnen der restlichen Räuber)
Und oben auf dem Dach sitzt ein Gendarm, der rief: „Die Räuber sind hier!“ Da gab ich eilends Fersengeld und kein Mensch der Welt bringt mich jemals wieder lebend in das Gespensterhaus hinein.
Erzähler: Als das die andern Räuber hörten, getrauten sie sich auch nicht mehr in ihr haus hinein und zogen fort in einen anderen Wald. Den vier Stadtmusikanten aber gefiel es so gut, dass sie nicht nach Bremen zogen, sondern ihr Leben lang im Räuberhaus wohnen blieben.
(Die Musik)

Die Bremer Stadtmusikanten als Litera-Hörspiel
Esel: Erik S. Klein
Hund: Walter Richter-Reinick
Kater: Robert Assmann
Hahn: Harald Grünert
Müller: Rudolf Christoph
Müllerbursche: Hans-Edgar Stecher
Hausfrau: Elfriede Née
Köchin: Ingeborg Chrobock
Räuber: Günther Polensen, Heinz W. Pätzold, Heinz Scholz
Erzähler: Egon Wander

Musik: Ernst-Peter Hoyer
Regie: Theodor Popp

Teil 1

Teil 2

Die Bremer Stadtmusikanten in einer historischen Postkartenreihe

Zeichner: Oskar Herrfurth

 

 

Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen – (M)eine Buchempfehlung

In Buchempfehlung on 8. September 2009 at 23:16

Unter Taliban, Warlords und DrogenbaronenReinhard Erös: Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen. Eine deutsche Familie kämpft für Afghanistan.
Gebundene Ausgabe: 365 Seiten, Hoffmann und Campe 2008, 19,95 EUR. Bestellen bei Amazon

Aus aktuellem Anlass möchte ich euch hier ein Buch ans Herz legen, welches durch die letzten Meldungen aus Afghanistan (Tanklastzugbombardierung der Bundeswehr) und der anschließenden politischen Debatte darüber, wieder an Brisanz gewonnen hat. Der schnelle Ruf nach einem Ende des Einsatzes der Bundeswehr am Hindukusch ist, so verständlich der Wunsch auch sein mag, genau die falsche Antwort. Wer dieses Land und seine Menschen dem Chaos und der Gewalt der Taliban überlassen will, handelt unverantwortlich als Mensch gegenüber den Afghanen und gegenüber den Interessen des eigenen Landes!

Der Oberstarzt der Bundeswehr a.D. Reinhard Erös, geboren 1948, hat ein beeindruckend sachkundiges und zugleich warmherziges Buch über dieses schwer geschundene Land geschrieben. Sein langjähriger selbstloser Einsatz für Afghanistan hat ihm nicht nur große Sachkenntnis der politischen Lage und des Landes vor Ort gelehrt, er hat die Herzen der einfachen Menschen erreicht: mit Einfühlung und zupackender Hilfe. Erös setzt sich dabei immer wieder großer persönlicher Gefahr aus: Taliban, Warlords, Drogenbaronen, Minen oder Bombardements der US-Truppen. Reinhard Erös auf die Frage einer empörten Journalistin, warum er mit solchen Verbrechern, wie Taliban und Warlords verkehre: »Wer in der Hölle arbeiten will, muss mit dem Teufel ab und zu einen Tee trinken.«

Reinhard Erös gründete zusammen mit seiner Familie ein Hilfsprogramm welches ohnegleichen ist: Die Kinderhilfe Afghanistan. Mittlerweile vielfach ausgezeichnet, ist die Familienstiftung heute »die wohl effektivste Hilfsorganisation in Afghanistan« (Süddeutsche Zeitung).

Erös berichtet in packender Art von seiner abenteuerlichen Arbeit. Von illegalen »Trips« in die Berge Afghanistans, während der Sowjetischen Besatzung, bei der er als Militärarzt Tausende von Menschen behandelte. Seine Frau organisierte und baute derweil in Peschawar eine Schule für Flüchtlingskinder auf. Aus diesem Schulbauprojekt entwickelte sich eine ganz einzigartige Familieninitiative. Ausschließlich aus privaten Spenden wurden seit dem 11. September 2001 über zwei Dutzend moderner dieser Friedensschulen als Kontrapunkt zu den primitiven Koranschulen der islamistischen Taliban gebaut. Außerdem wurden  in den besonders gefährlichen Ostprovinzen Computerschulen, Mutter-Kind-Kliniken und Waisenhäuser errichtet. Das Besondere dabei: die Kinderhilfe greift, im Gegensatz zu den großen Hilfsorganisationen, auf Arbeitskräfte und Ressourcen vor Ort zurück und unterstützt damit nicht nur die Selbstheilungskräfte der jungen afghanischen Wirtschaft – da der Bau und Betrieb einer neuen Schule durch die afghanische Bewohner der Region zustande kommt, werden die Schulen gegen Angriffe der Taliban geschützt. Bildung ist hier der Schlüssel für Fortschritt und Hoffnung.

Reinhard Erös ist mittlerweile einer der gefragtesten Afghanistan-Experten und -Referenten. Weitere Informationen zur Arbeit und zur Möglichkeit von Spenden unter www.kinderhilfe-afghanistan.de.

Dieses Buch ist ein kluges, engagiertes und warmherziges Buch über ein in Deutschland viel zu wenig bekanntes Land. Vielleicht eines der besten Bücher zum Thema Afghanistan.

Herzlich Willkommen!

In Allgemeines on 7. September 2009 at 22:35

Johann von HallersteinWillkommen in Hallersteins Blog! Hier findest du künftig in unregelmäßigen Abständen Neues vom Alten.

Erwähnenswertes wird von mir beschrieben, Neues bewertet,  Erfreuliches gelobt und Tadelswertes gnadenlos zerissen. Was mir gefällt, wird auch gern kostenfrei beworben. Anregungen und Hinweise nehme ich gern auf. Hallerstein ist neugierig, kritisch und subjektiv!

charity: water is a non-profit organization bringing clean and safe drinking water to people in developing nations.